Der französische Maler Claude Monet (1840-1926) litt im Alter am Grauen Star. Da er viele seiner Motive wiederholt dargestellt hat, erkennt man auf Bildern aus dieser Periode das Vorwiegen der Farbe Gelb und immer mehr verschwimmende Konturen. Er beginnt großflächigere Bilder zu malen und geht immer weniger ins Detail. Nach seiner Staroperation herrscht dann plötzlich die Farbe Blau vor, die Farbe, die vorher durch der Grauen Star gefiltert, jetzt unbehindert die Netzhaut erreicht. Monets Impressionisten-Kollege Edgar Degas (1834-1917) hingegen litt an einer Netzhauterkrankung. Dadurch war der Maler sehr lichtempfindlich, arbeitete weniger als seine Malerfreunde in der Natur und benutzte immer gröbere Malmittel. Der norwegische Maler Edvard Munch (1863-1944) hatte zeitweise eine, durch ein Blutgerinnsel im Auge bedingte Glaskörpertrübung. Beunruhigt durch die Erkrankung, fertigte der Maler daraufhin Bilder und Zeichnungen an, die schon fast einem Selbstbeobachtungs-Experiment gleichen. Diese Darstellungen sind, obwohl abstrakt wirkend, gegenständliche Abbildungen des eigenen Inneren. Darauf erkennt man das Blutgerinnsel als einen, wie er ihn selbst nannte, angsteinflößenden "großen dunklen Vogel". Ein weiterer französischer Maler, Camille Pissaro (1830-1903) litt an einem Verschluss der ableitenden Tränenwege. Dies führte im Laufe der Zeit, zusammen mit wiederkehrenden Infektionen, zu vermehrtem und die Sehschärfe beeinträchtigendem Tränen der Augen. Da diese Beschwerden im Freien stärker waren, wand sich der Künstler vor allem den Darstellungen von Stadtansichten durch geschlossene Fenster zu. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) befasste sich mit der Farbfehlsichtigkeit und davon Betroffenen. Er ließ sich deren Farbwahrnehmung beschreiben und fertigte daraufhin Aquarelle mit der angegebenen Farbgebung an. Dabei dominieren gelbe und blaue Farbtöne. Maler mit angeborener Farbsehschwäche wenden verschiedene Möglichkeiten an, um diese Schwäche zu umgehen. Einige arbeiten dann vorwiegend mit verschiedenen Hell-Dunkel Kontrasten, einige konzentrieren sich auf die Farben Blau und Gelb, und wieder andere wenden sich nach dem Erkennen der Farbsehschwäche vermehrt verschiedenen Drucktechniken oder der Bildhauerei zu; Arbeitstechniken, die keine Farbgebung benötigen.